Ortschronik

1317 bereits erwähnt, kam das Dorf zum Amt Jagstberg und unterstand der hohen Obrigkeit der Würzburger Bischöfe.

Diese beanspruchten alle orts- und landesherrlichen Rechte, bis 1802 die Fürsten von Hohenlohe den Ort in Besitz nahmen. Sie erfreuten sich daran nur bis 1806, als Amrichshausen von Württemberg militärisch besetzt und dem neu gebildeten Königreich zugeschlagen wurde – wie die übrige fränkische Umgebung auch. Auf der Gemarkung, westlich des freiherrlich stettenschen Kügelhofs, erinnert das Zollhaus heute noch an eine einstige würzburgische Zollstätte und damit an die früheren landesherrlichen Verhältnisse. Kirchlich bildete Amrichshausen schon immer eine eigene Pfarrei. Die Gegenreformation machte die Bevölkerung teilweise mit, denn gegen Ende des 16. Jahrhunderts war das halbe Dorf evangelisch. Energisch griff Bischof Julius Echter durch, und führte diese Abtrünnigen zum alten Glauben zurück. Ausdruck dieser Erneuerung ist auch die Kirche. Die Kirche Mariä Geburt in Amrichshausen ist ein Kleinod unter den Hohenloher Dorfkirchen. Sie wurde 1612-1625 auf den Grundmauern einer älteren Kirche neu erbaut und erhielt im 18. Jahrhundert eine sehenswerte Barockausstattung. Ausdrucksvolle plastische Werke schuf Johann Andreas Sommer. Das als Kopie vorhandene Altarkreuz von 1120 ist eines der bedeutendsten Werke der romanischen Bronzekunst in Süddeutschland. Das Gotteshaus wurde letztmals 1960/63 innen und 1995 sowohl innen als auch außen erneuert. Als markanter Punkt ist der charakteristische Kirchturm weit ins Land hinaus zu sehen.

Die Amrichshäuser lebten fast in der Diaspora – die unmittelbar angrenzenden Dörfer waren rein evangelisch. Daher fiel die Wahl der Ehepartner nach Nagelsberg, Jagstberg und fernere Orte im Jagsttal. Auch mit der Lockerung der Einstellungen der Menschen, und der Durchmischung mit Heimatvertriebenen blieb die Zahl der Protestanten in Amrichshausen niedrig; 1961 waren es gerade mal 5,2 % und 1987 nur 14 %. Amrichshausen ist lange Zeit auch der Sitz eines katholischen Verwaltungsbezirks gewesen. Das Landkapitel wurde am 15. Mai 1818 in ein Dekanat umgebildet, am 1. November 1961 erfolgte die Umbenennung in Dekanat Künzelsau, zum 11. Oktober 2001 in Dekanat Hohenlohe. Der Sitz desselben befindet sich seit Jahrzehnten nicht mehr im Dorfe. Heute ruht die Pfarrei, sie ist mit der Seelsorgeeinheit in Künzelsau zusammengefaßt. Die Schule, seit mindestend 1593 bestehend, ist noch heute ein wichtiges Element im Orte. Sie war schon im 18. Jahrhundert fortschrittlich, mit einem Schulgarten und einer Handarbeitsschule. Seit 4.9.1973 werden in der Grundschule Amrichshausen Kinder aus den Stadtteilen Amrichshausen, Belsenberg, Garnberg, Nagelsberg und Steinbach unterrichtet. Seit 1965 ist sie im Schulhaus am Grabenteich untergebracht.

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Luftbild aus dem Jahr 1956

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es in Amrichshausen fünfzehn Hintersassen, das heißt etwa sechzig bis siebzig Einwohner. Um 1700 lag die Seelenzahl bereits bei rund 120 und um 1790 bei etwa 150. Es umfasste damals 32 Häuser mit 35 Feuerstellen. Es ist ursprünglich eine nahezu bäuerliche Gemeinde, mit den wichtigen handwerklich-wirtschaftlichen Einrichtungen eines Dorfes. Um 1830 existierten hier drei Schuhmacher, zwei Schneider, ein Schmied, vier Weber, zwei Wagner, ein Zimmermann, zwei Bäcker, ein Metzger, ein Maurer, und ein Hirschwirt. 1930 waren es noch zwei Schreiner, ein Schneider, zwei Schuhmacher, ein Wagner, der auch die Hirsch-Wirtschaft führte und die Linde, sowie ein Handelsgeschäft. 1968 gab es immer noch zwei Wirtschaften, einen Schreiner, einen Schmied, einen Elektroinstallateur, einen Plattenleger, ein Lebensmittelgeschäft und einen Handelsvertreter. Jedoch war der Ort, auch durch den Rückgang der Landwirtschaft bedingt, immer mehr zum Wohndorf geworden. Neben den noch bestehenden älteren Handwerksbetrieben Amrichshausens sorgt seit einigen Jahren der Gewerbepark allerdings wieder dafür, dass es in größerem Umfang Arbeitsplätze im Dorf gibt. Dieses und die Neubaugebiete haben das Bild des Dorfes in den vergangenen über fünf Jahrzehnten wesentlich verändert.

Im Zuge einer ersten Baulandbeschaffung entstand in den Jahren 1954-1958 am Hofweg eine schmucke Siedlung von 7 Wohnhäusern, in denen vorwiegend Neubürger ihr Domizil fanden. Ab 1962 wurden mehrere Bebauungspläne für ein zweites Siedlungsgelände im Gewann »Grabenteich I-VI« erschlossen. Insgesamt wurden seit 1948 in Amrichshausen weit über 100 Wohnhäuser und 6 Aussiedlerhöfe von Grund auf neu erstellt. Demgegenüber waren in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen im Dorf nur 2 Wohnhäuser neu gebaut worden.

Zum 01.01.1972 wurde die seither selbständige Gemeinde Amrichshausen in die Kreisstadt Künzelsau eingegliedert. Der Teilort profitiert seither von der Prosperität der Gesamtstadt, nur so konnten wichtige Vorhaben in der Wasserversorgung, Kanalisation oder anderen Infrastrukturmaßnahmen verwirklicht werden. Heute leben hier rund 570 Menschen.